Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for the ‘Prosa’ Category

Nicht schon wieder denkt sie sich. Dreht sich um und geht drei Schritte weiter und dann ist es schon wieder passiert und dabei hatte sie sich doch so fest vorgenommen nicht mehr daran zu denken. Nicht mehr an ihn zu denken. An ihn hat sie die letzten Tage doch schon genug Gedanken verschwendet. Verschwendet? fragt sie sich. War es nicht vielleicht sogar wichtig an ihn zu denken? Hat es ihr nicht neue Optionen aufgezeigt? Nein, so darf sie gar nicht anfangen. Es ist verschwendet. Jeder auch noch so kleiner Gedanke ist Verschwendung. Egal in welche Richtung er auch gehen mag. Lieber an etwas Anderes denken, aber an was? Es scheint doch gar nichts Anderers mehr zu geben. Alles was sie momentan beschäftigt ist er. Er… und nichts sonst. Wann hört dieser Gedankenkreislauf auf? Vielleicht in 3 Schritten, vielleicht aber auch erst in 3000, aber er wird aufhören, dass hat sie sich vorgenommen. Wie viele Schritte es auch dauern möge.

Advertisements

Read Full Post »

Niemals, niemals Niemals dachte ich, niemals, doch alles denken schien sinnlos. Denn dieses Niemals hatte sich in Luft aufgelöst. Es war zu einem Gegenstand heran gewachsen. Es hatte sich zu einer Gestalt entwickelt. Es fühlte sich echt an. Auf einmal war ich eine von vielen. Es gab keinen Unterschied mehr zwischen mir und den andern. Wir hatten uns zu einer homologen Masse entwickelt. Ich habe nun doch aufgegeben. Das schlimm ist ich habe nicht nur mich damit aufgegeben, sonder auch den anderen ihre letzte Chance genommen eine Veränderung zu erreichen. Das alles nur weil ich es nicht mehr ertragen habe, all diese Stimmen und all das Gelächter war nun letztendlich auch zuviel für mich geworden. Wie konnte ich das mit mir vereinbaren? Wie konnte ich jetzt noch hinter irgendeiner Aussage stehen, die ich jemals gemacht hatte? Alles hatte wegen diesem einen niemals an Wert verloren. Einfach alles. Kein Versprechen war mehr etwas wert. Kein Schwur. Einfach nichts schien noch bestand zu haben. Ich zweifelte. Ich zweifelte an mir, aber auch an allen anderen. Denn auch sie hatten einmal behauptet niemals. Niemals werden wir so etwas tun. Niemals. Doch auch für sie wurden die Stimmen zu viel und das Gelächter drang in sie ein. Sie fühlten sich plötzlich klein und alleine. Allein, von allen verlassen. Sie haben nachgegeben. Bis ich an der Reihe war, hab ich gedacht was für armselige Kreaturen. Nicht fähig zu ihren Aussagen zu stehen. Doch jetzt muss ich erkennen, dass auch ich zu dieser Kreatur geworden bin. Vielleicht hat es bei mir etwas länger gedauert. Vielleicht kommt es mir aber auch nur so vor. Damit meine Schuldgefühle nicht mehr so groß sind. Die Verzweiflung, sie frisst mich auf. Der Zweifel schränkt mein Denkvermögen ein. Ich denke nur noch daran, wie schwach ich doch bin und wie wenig Wert Wörter doch einmal sind. Wenn man einmal etwas getan hat, was man davor noch für unmöglich gehalten hat. Etwas was davor ein absolutes Verbot war. Jedes Bild, was man davor von sich hatte ist zerbrochen. Nicht nur in tausend Stück, die könnte man wieder zusammen kleben. Nein zu Staub ist jegliche Ansicht zerbrochen. Es fühlt sich an als hätte man seine Identität verloren. Man sieht an sich runter. Erkennt seine 10 Zehen und auch seine Waden und letztendlich auch die eigenen Oberschenkel, doch sie sind unwirklich sie scheinen einem nicht mehr zu gehorchen. Fühlen sich an wie Fremdkörper. Nicht mehr wie die eigenen. Sie zittern und letztendlich brechen die Beine unter einem zusammen. Man findet sich auf dem Boden wieder. Doch auch die Bodennähe lässt einen die Zweifel nicht vergessen. Nein er verstärkt sie nur noch. Man versucht sich mit den Händen irgendwo festzukrallen um wieder auf die einem nicht gehorchenden Beine zukommen. Denn auf dem Boden kommt man sich so klein vor. So klein. Jeder kann auf einen hinabschauen. Obwohl auch sie auf den Boden gehörten, denn auch sie hatten nachgegeben. Auch sie hatten eigentlich ihre Identität verloren. Doch sie stehen noch. Sie stehen da und sehen so aus als wäre nichts passiert. Als hätte alles seine Richtigkeit. Sie machen den Eindruck als wüssten sie nicht welche Konsequenz ihre Nachgiebigkeit hat. Sie sind sich dessen einfach nicht bewusst. Das man ihnen eigentlich nicht mehr glauben kann. Das auch ihre Worte eigentlich total Bedeutungslos sind. Das alles was sie jemals einander versprochen hatten nun nichts mehr Wert ist. Es nicht mehr existiert. Das alles einfach nicht mehr da ist. Nun fängt einer von ihnen auch noch an seine Entscheidung, die mit seinen voran gegangen Aussagen nicht konform ist, zu preisen. Er tut so als hätte er nie etwas anderes gewollt. Als das was er nun hat. Doch jeder von uns weis, dass wir das alle nicht wollten. Das wir alle dagegen waren und hätte nur einer von uns Stand gehalten. Wären nun alle mit einem schlechten Gewissen geplagt, doch so macht nun jeder den Eindruck als hätte alles seine Richtigkeit. Als wäre alles in Ordnung. Nur ich liege hier am Boden und halte mir die Hände vors Gesicht, weil ich meine eigene Spiegelung im Boden nicht ertrage. Die Spiegelung die mir nun so unwirklich vorkommt. Ich fange an zu schreien: „Ihr seit ein verlogene, eine so heuchlerische und elendige Masse, dass einem schlecht wird.“ Und sie schauen mich an, als würden sie kein Wort von dem verstehen was ich sage. Als wäre ich verrückt. Sie wollen eine weiße Weste haben. Doch wären sie ehrlich zu sich wüssten Sie, dass ihre Weste alles andere als weiß ist. Sie hatte eine dunkelgraue Farbe angenommen. Bei manchen hat sie sogar schwarze Flecken, bei alle denen, die jetzt ihre Handlung loben und einem weis machen wollen, dass wir uns alle richtig entschieden haben. Ich richte mich auf. Versuche den anderen in die Augen zu sehen, doch auch dazu bin ich nicht im Stande, ich komme mir heuchlerisch vor. So heuchlerisch. Ich kann mit meinem Einbruch nicht umgehen, wieso? Wieso frage ich mich, als ich durch den Raum laufe ohne einen von denen noch mal anzuschauen. Wieso? Wieso habe ich nachgegeben. Wieso habe ich nicht stand gehalten? Als ich das Gebäude verlasse und die anderen Menschen vor mir sehe, frage ich mich ob auch nur einer von ihnen zu ihrem Wort gestanden hätte. Ob einer von ihnen so stark gewesen wäre zu widersprechen? Oder ob es uns allen an der Fähigkeit mangelt zu seinem Wort zu stehen. Und ob alle Versprechen letztendlich doch bedeutungslos sind. Ich drehe um und gehe zurück in den Raum. Ertrage noch einmal alle die Stimmen, doch diesmal ist es mein Gelächter, was die anderen nicht ertragen und ich verlasse mit erhoben Haupt das Gebäude und kann nun selbst wieder in den Spiegel schauen und weiß, dass alles seinen Wert hat und das auch Versprechen etwas sind, worauf man zählen kann. Und ich denke niemals, niemals wieder werde ich mich selbst in so eine Situation bringen. Niemals.

Read Full Post »

Ich höre, wie die Uhr schlägt. Lausche jeder einzelnen Sekunde, und denke daran, wie es damals war. Jede Sekunde verbinde ich mit einem weiteren Augenblick und das Bild wird immer deutlicher. Ich sehe Dich und mich, entlang der Brücke laufen, wie du mir von damals erzählst. Ich an deinen Lippen hänge und jeder einzelnen Silbe Aufmerksamkeit schenke. Du erzählst von deinem Dorf und inzwischen war ich auch schon dort. An deinem kleinen Häuschen nahe des Waldes, habe die kleinen Kiesel gesehen von denen du immer redetest und sie mir genauer angesehen um zu erkennen, was sie für dich bedeuteten. Du erzähltest, dass jeder Kieselstein dir seine Geschichte erzählt. Dass dir jeder Stein erzählen konnte, wer ihn betreten hatte und du dachtest dir zu den Personen Geschichten aus. Nun bist du nicht mehr da, du bist in weiter ferne und ich habe mir auch einen Kieselstein für dich ausgesucht, der nun anderen deine Geschichte erzählt.

Read Full Post »

Der starre Blick macht sie ganz krank. Sie schaut ihn an und hofft auf eine Regung, nur ein Zwinkern, nur ein kleines Zucken, doch nichts. Keine einzige Regung, nur diese totale Leere in seinem Blick. Kann er nicht endlich etwas sagen? Früher hatte er doch soviel zu erzählen. Er erzählte von seinen Träumen – machte aus den kleinsten Nichtigkeiten die größten Wunder. Doch heute sitzt er einfach nur da und schweigt. Sie sehnt sich so sehr nach seiner Stimme. Ob sie wohl noch ewig so da sitzen, was passiert wenn sie nun die Stille unterbricht, ihn wachrüttelt? Wäre dann alles wie früher? Sie schreit, sie erträgt dieses Schweigen nicht mehr. Doch selbst Ihr schreien, scheint keine einzige Regung, bei ihm wach zu rufen. Immer noch Schweigen. Was soll sie noch tun? Seit Monaten versucht sie nun schon, an ihn heran zukommen. Hofft darauf, dass sich etwas ändert. Das er sich ändert. Doch alles was sie versuchte, scheint hoffnungslos. Er schweigt und starrt, wenn sie denn wenigstens wüsste, wohin er starrt. Doch sie weiß nichts. Weiß nicht, wie es weiter gehen soll. Weiß nicht, ob es überhaupt noch weitergeht. Sie fragt sich wohin das alles noch führen soll? Fühlt sich am Ende ihrer Kräfte, doch einfach aufgeben? Kann sie einfach aufgeben? Ihn einfach so fallen lassen? Kann sie einfach vergessen, was er alles für sie getan hat. Sie möchte nicht daran glauben, dass nun alles ein Ende hat. Sie nie wieder seiner Stimme lauschen kann. Er sie nie wieder in den Arm nehmen kann, dass der starre Blick, das einzige ist, was sie noch von ihm wahrnehmen kann.Sie liebt ihn, dessen ist sie sich sicher. Doch hat sie die Kraft, jeden Tag diesen starren Blick zu ertragen und darauf zu hoffen, dass er endlich aufwacht? Ist es überhaupt möglich, dass er jemals wieder aufwacht.

Read Full Post »